Cambio, Cambio! Oder die Krux mit dem Wechselkurs

Das Geld zerrinnt zwischen den Fingern und zwar sprichwörtlich. Die Scheine, die man hier als Wechselgeld bekommt, sind bisweilen mehrmals mit Klebeband geflickt und so zerrubbelt, dass man fast hindurchsehen kann. Münzen werden kaum genutzt, eher wird auf- oder abgerundet.

Aber auch im übertragenen Sinne verschwinden die Scheine aus dem Vorrat. Argentinien ist zahlungsunfähig, zum zweiten Mal seit 2001. Zwar ist die Situation bei weitem nicht so brisant wie vor 14 Jahren, zu spüren bekommen es die Menschen hier jedoch trotzdem. Die Preise steigen rapide, was wir merken, wenn wir uns die Preisangaben in den Reiseführern ansehen. Zum Teil haben sich die Kosten für Transport, Essen und Übernachtungen seit dem Druck der Auflage 2013 mehr als verdoppelt (in einigen Fällen sogar verzehnfacht). Was für uns unangenehm ist, trifft die Argentinier umso härter. Die Entwertung des argentinischen Pesos führt dazu, dass die Menschen in Fremdwährung investieren. Euro und Dollar sind gefragt.

Das hat zu einem blühenden Schwarzmarkt für den Tausch von Geldnoten geführt, insbesondere in der Hauptstadt. Beim Bummel durch die Shoppingmeile Calle Florida schallt einem aus allen Ecken ein „Cambio! Cambio!“ entgegen. Zwielichtige Gestalten bieten den Touristen an, ihre harten Devisen zu einem deutlich besseren Kurs, als ihn die Bank bietet, in die Landeswährung zu tauschen.

Argentinischer Peso

Unsere Skepsis unterliegt den harten Fakten. Ziehen wir Geld vom Automaten, bekommen wir 9,58 ARS pro Euro. In den mit Zeitungspapier blickdicht verkleideten Hinterstuben sind es zwischen 14,55 und 14,70 ARS. Das macht einen deutlichen Unterschied, gerade angesichts der drastisch gestiegenen Preise. Unsere Euros sind aufgebraucht und die dafür erstandenen Pesos werden es auch bald sein. Dann haben wir das gleiche Problem wie die Argentinier. Auf einen Schlag verteuert sich alles um mehr als ein Drittel.

Beim Versuch, Euro oder Dollar zu erstehen, sieht die Situation für die Menschen hier noch bescheidener aus. Zwar liegt der offizielle Verkaufskurs für Euro bei etwa 12 ARS, jedoch bekommt der Durchschnittsverdiener gar nicht die Gelegenheit zu diesem Kurs zu tauschen. Die Wechselmenge wird von der Regierung auf einen niedrigen Betrag gedeckelt, es sei denn, man verdient mehr als umgerechnet 10.000 US$ im Monat. Tritt ein Argentinier eine Auslandsreise an, muss er einen Antrag stellen, für die Reise einen gewissen Betrag wechseln zu dürfen. Die beantrage Höhe wird jedoch meist nicht gewährt, sondern unterliegt nach außen willkürlich wirkenden Abzügen. Und das Beste: die Entscheidung, wie viel Devisen erstanden werden können, wird erst eine Woche vor Reiseantritt bekannt gegeben. Damit will der Staat das Schlupfloch schließen, eine Reise zu buchen, einen gewissen Betrag in Fremdwährung zu tauschen und die Reise dann zu stornieren. Es kann also passieren, dass man eine Woche vor Antritt einer dreiwöchigen Reise erfährt, ganze 200 US$ tauschen zu dürfen…

Wer also seine Ersparnisse in Euro oder Dollar anlegen will, dem bleibt nichts übrig, als bei denselben Gestalten auf der Calle Florida und anderswo zu wechseln. In diesem Fall zu einem Kurs zwischen 16,00 und 20,00 ARS pro EUR. Trotzdem ist die Nachfrage hoch genug, dass sich das Geschäft für die „Wechselstuben“ lohnt.

 

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