Wer nicht fragt, der nicht gewinnt – Die Nacht auf der Pferdekoppel

Córdoba ist wunderschön, aber unerträglich heiß. Wir beschließen über das Wochenende in die Ausläufer der Sierras zu fahren und dort bei angenehmeren Temperaturen zu zelten.

Für erschwingliche 20 Pesos pro Nase machen wir uns mit dem Collectivo auf den Weg nach Alta Gracia. Der Ort ist berühmt für sein Jesuitenkloster und dafür, dass die Familie von Ernesto (Che) Guevara eine Zeitlang hier gelebt hat.

Jesuitenkloster in Alta Gracia

Es ist bereits Nachmittag und die Sonne brennt auch hier ordentlich auf uns herab. Wir schlagen uns wacker zur Touristeninformation durch, die in einem Turm untergebracht ist. Hier erfahren wir, dass es zwar einen Campingplatz gibt, wir dafür aber denselben Weg wieder zurückstiefeln müssten. Nö! Wir haben auf den Werbefotos des Ortes gesehen, dass es auf der anderen Seite, um die Grotte der Heiligen Lourdes herum, ganz schöne Ecken im Grünen gibt und spekulieren darauf, irgendwo dort unentdeckt unser Lager aufzuschlagen.

Mehrere Flüsschen durchziehen Alta Gracia

Der Weg aus der Stadt heraus

Als wir den Rand der Siedlung erreichen, setzt bereits die Dämmerung ein. Was auf der Karte als Fluss eingezeichnet ist, entpuppt sich vor Ort als kleines Bächlein, dem wir dennoch folgen.

Die Karte gibt nur eine grobe Richtung vor

Wir schlagen uns durch Dickicht und über schlammige Pfützen hinweg. Neben dem Bach gibt es kaum eine ebene Stelle und wenn, dann ist sie so zugewuchert, dass unser Zelt hier keine Chance hätte.

Langsam wird es dunkler, bald werden wir einen geeigneten Platz gar nicht mehr erkennen können. Zudem haben wir für ein üppiges Abendessen eingekauft und würden das jetzt gerne verputzen. Nach jeder neuen Biegung dasselbe Bild. Rebekka hat genug und klettert die Uferböschung hinauf. Dort reihen sich einige ausladende Farmen aneinander und wir werden von Hühnern und einigen Schweinen neugierig beäugt. In der Ferne weiden imposante Pferde, nur von den menschlichen Bewohnern ist niemand zu sehen. Was nun? Einfach über den Zaun zu klettern trauen wir uns nicht.

Doch da! Zwischen den Bäumen hindurch sehen wir wie ein Großmütterchen mit einem viel zu großen Besen der Terrasse zu leiberückt. Hola! Permiso! – Keine Reaktion. Dann eben lauter. Immer noch nichts. Beherzt stemmt Bekki das seit Jahren unbenutzte Türchen auf und geht zaghaft auf sie zu. Die arme ist völlig überrumpelt. Wie um die Szene noch zu untermalen, plumst nach heftigem Geflatter ein Huhn aus dem Baum.

Wir dürfen bleiben und auf der Pferdekoppel unser Lager beziehen. Unsere nächtliche Küche wird von Glühwürmchen umschwirrt und Blitz und Donner geben uns Bescheid, dass wir uns für den richtigen Platz entschieden haben. Bei Gewitter am Lauf eines Bergbaches zu Zelten wäre eine ziemlich ungünstige Wahl gewesen.

Auf der Koppel bricht die Nacht herein

Wir lassen es uns schmecken und lauschen den Bässen eines Rockkonzertes, die über die Weiden zu uns wabern. Trotzdem fühlen wir uns nicht ganz wohl, angesichts unseres überfallartigen Erscheinens. So brechen wir am folgenden Morgen in aller Frühe unser Lager ab und machen uns wieder auf den Weg.

Unser Lager auf der Pferdekoppel

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