Zeitlos in Mendoza

Die Ruhe genießen

Der Aufbruch aus Belgrano an einem Freitag war nicht die beste Idee, weil die Busse vor dem Wochenende fast ausnahmslos voll sind. So kommen wir unfreiwillig zum Karneval in Río. Zugegebenermaßen nur Río Cuarto – und der Karneval eher ein Kinderspektakel. Aber es ist ja immerhin auch Freitag der 13. Wir schaffen dann doch den Sprung nach Mendoza, nachts um 3:00.

In Mendoza plätschert die Zeit vor sich hin, wie der Regen, der an die Scheiben klatscht und den Hof in eine Riesenpfütze verwandelt. Zwischendurch kommt die Sonne heraus und brennt unerbittlich alles nieder. Nach einigen Tagen fragen wir uns, wie lange wir eigentlich schon hier sind. Wir hatten kaum eine Veranlassung, einen Schritt vor die Tür zu setzen – vom Weg zum Kiosk an der Ecke abgesehen. Draußen Regen, drinnen Babykatzen, Carlos‘ Gitarrenspiel und die vielen Freunde und Fremden, die jeden Tag vorbeikommen. Da merkt man erst spät, dass der unvermeidliche Aufbruch näher rückt.

Wie wir jetzt im Nachhinein feststellen, waren wir hier allerdings doch nicht ganz untätig.

Erst machen wir uns mit Carlos und Juan in dessen Auto auf den Weg zum Stausee in den Bergen. Der See ist riesig und der Zugang knifflig. Mehr als einmal bleiben wir mit durchdrehenden Reifen im ausgetrockneten Flussbett hängen. Aber der Platz, den wir dann finden, ist die beschwerliche Anreise wert. Das Wasser ist klar und erfrischend. Um uns herum türmen sich die gewaltigen Sandsteinfelsen. Im See gibt es mehrere Inseln, die Carlos und ich erobern und sehr detailliert unter die Lupe nehmen. Unterdessen spekulieren Bekki und Juan am Strand über den Grad der Verbrennung, die uns dabei von der Höhensonne drohen. Mit ziemlich fies lagen sie übrigens richtig.

In Maipú, von wo der beste argentinische Wein kommt, besichtigen wir ein Bio-Weingut. Insektenschutz funktioniert hier ohne Chemie, dafür mit Ablenkung. Überall zwischen den Rebstöcken wachsen duftende Obstbäume und Wildkräuter. Die sind für die Insekten offensichtlich reizvoller, liefern gleichzeitig den Ökodünger und schützen vor den starken Winden. Der Wein, den wir dort erstehen ist herausragend. Wer irgendwo einmal eine der 420.000 Flaschen in die Hände bekommt, die jährlich von Familie Cecchin exportiert werden, der sollte ohne zu zögern zugreifen!

Zu Guter Letzt kommen wir sogar ins Horcones-Tal, zu Fuße des Aconcagua (mit 6.962 m höchster Berg der Anden). Der Anblick ist atemberaubend, was aber auch an der dünnen Luft in fast 3.000 m Höhe liegen kann.

Während wir den Rundweg entlang der Lagunen auf der Grundmoräne wandern, zieht von der anderen Talseite eine dunkle Wolke heran und krabbelt unaufhaltsam auf uns zu. Der Wind frischt auf und wir sind das erste Mal auf der Reise froh über Fleece und Regenjacke

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wir lassen uns nicht kleinkriegen und wandern weiter nach Puente del Inca, einem etwas trostlosen Ort auf der Passstraße nach Chile. Der Legende nach sind die Inka bis hierhin vorgedrungen. Die nach ihnen benannte Brücke ist jedoch durch Erosionsprozesse geformt worden und vom schwefelhaltigen Wasser gelblich verfärbt worden.

Für die dreistündige Rückfahrt durch die Nacht haben wir die Panoramasitze über dem Fahrer. Das Fernlicht wirft gespenstische Schatten über die Felswüste und die Kolonne der LKWs, die ihre Waren über den Pass wuchten, schleppt uns zurück nach Mendoza.

Dieser Beitrag wurde unter Argentinien veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Zeitlos in Mendoza

  1. Rudi schreibt:

    tolle Bilder. Gerne mehr 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s