Und dann ist da das Meer

Reisen per Autostop

Endlich. Wir stehen mit erhobenem Daumen an der Straße und grinsen an uns vorbei rauschende Menschen in ihren Autos an. Die meisten geben uns durch Handzeichen zu verstehen, warum sie uns nicht mitnehmen können. Sie fahren nicht weit, sie fahren in eine andere Richtung oder sie sind schlicht voll besetzt.

Die Interaktion ist schön und lässt uns auch bei längerer Wartezeit nicht den Mut verlieren. Zwei bunt gekleidete Frauen in einem kleinen klapprigen Auto nehmen uns die ersten 40 km unserer Autostopp-Tour von El Bolsón mit. Die Rucksäcke haben wir auf dem Schoß, damit die fein säuberlich als Geschenk verpackten Bananen der beiden nicht zerquetscht werden. Einen Augenaufschlag später sitzen wir in einem 45 t schweren Truck und brausen auf der Panamericana durch Patagonien.

In dem Mercedes Benz Ungeheuer reist es sich klimatisiert und angenehm. Das wäre eine Mitfahrgelegenheit bis ganz in den Süden. Doch wir wollen es nicht überstrapazieren und außerdem die Umgebung erkunden. Deshalb steigen wir in Esquel aus. Für die letzten Kilometer in die Stadt werden wir fast schon ohne unser Zutun von der Straße aufgesammelt. Das lief besser als gedacht! Es ist nicht so, als wären die Busse in Argentinien nicht gut. Im Gegenteil. Bei unserer 24 stündigen Busreise von Mendoza nach El Bolsón hatten wir gemütliche Sitze, deren Lehne sich weit nach hinten klappen lassen und einen „Steward“, der uns mit Essen und Getränken versorgt hat. Trotzdem ziehen wir die zufälligen Begegnungen mit Menschen, die uns ihr Vertrauen und ihre Geschichten schenken, vor.

Das Wegkommen von Esquel frustriert. Zwei Stunden lang schauen wir den vorbei rauschenden Autos nach bis, ja bis ein bunt gepunkteter alter Omnibus neben uns hält. Als wir innen am Tisch sitzen, ein frisches Wasser bekommen und uns mit Vater, Mutter und Tochter unterhalten, ist jeglicher Frust vergessen und wir tuckern gemütlich bis Gobierno Costa, wo sich unsere Wege nach einem herzlichen Abschied wieder trennen.

Dort schlagen wir unser Zelt auf und bekommen sogar noch ein Frühstück geschenkt, das wir noch nicht ganz aufgegessen haben, als uns ein quietschgelber Bully einsammelt. Der hintere Teil besteht aus einem einzigen Matratzenlager auf dem sich ein vier jähriger Junge vergnügt. Wir freuen uns schon auf eine Fahrt im Liegen. Das war bei uns früher immer verboten. Doch wir bekommen die Logenplätze vorne. Irgendwann in diesem Bully, als die asphaltierte Straße vorübergehend in eine Schotterpiste übergeht und wir damit beschäftigt sind, die auf der Ablage tanzenden Spidermanfiguren, angebissenen Wurstbrote und Rohrzangen im Zaum zu halten, fällt die spontane Entscheidung mit nach Osten zu fahren, anstatt direkt nach Süden. Was sind schon 600 km Umweg einmal quer durchs Land. Und sowieso, was heißt Umweg. Der Weg ist gerade einmal mehr denn je das Ziel.

In Sarmiento wechseln wir noch einmal den fahrbaren Untersatz. Glücklich grinsen wir uns an, als der Pickup über die Straße düst. Die Umgebung nehmen wir gestreift durch die Holzverkleidung der Ladefläche wahr. Die Sonne wärmt, der Fahrtwind kühlt, wir fahren open air!

Und dann ist da das Meer! Während wir bereits in Rada Tilly in den kühlen Atlantik tauchen, kommen unsere Gedanken langsam auch im spontanen Strandurlaub an.

 

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