Hängen bleiben

 

Ausblick

Die weißen Gipfel der Cordillera Blanca wollen wir nicht verpassen, deswegen geht es nach Urwald und Hauptstadt also wieder in die Berge. Da wir in letzter Zeit meist nachts reisen, können wir die Aufenthalte an den unterschiedlichen Reisezielen schon in den Morgenstunden beginnen. So reichen oft schon ein oder zwei Tage an einem Ort, um die Sehenswürdigkeiten unter die Lupe zu nehmen.

Hierzu zählen in der Umgebung von Huaraz zweifelsfrei die türkisschimmernden Bergseen, die sich unter den schroffen Gipfeln ausbreiten. In zwei Tageswanderungen machen wir uns auf, diese Postkartenansichten mit eigenen Augen zu sehen. Der erste Ausflug ist zwar der kürzere, aber durch den steilen Anstieg der deutlich anstrengendere. Umso schöner, als wir endlich die Lagune erreichen und uns auf einem Fleckchen Moos ausstrecken. Kaum liegen wir dort, gesellt sich ein flauschig-zotteliges Hündchen zu uns und will nach Streicheleinheiten und Crackerkrümeln auch nicht mehr von unserer Seite weichen. So pennen wir dann zu dritt in der frischen Bergluft ein.

Die Lagunen, die wir nach mehrstündigen Bus- und Taxifahrten am nächsten Tag erreichen, sehen tatsächlich so aus wie auf den Postkarten. Zwischen uns neugierig beglotzenden Kühen verputzen wir am glasklaren Bergbach unseren Kuchen. Da die Höhenlage aber wieder kalte Nächte beschert und wir den beiden Ausflügen nichts mehr hinzuzufügen haben, machen wir uns eine Nacht später wieder auf den Weg.

Trujillo erreichen wir noch zu nachtschlafender Zeit, also verbringen wir wieder ein paar Stunden am Busterminal, dessen Umgebung zu den eher unsicheren Pflastern gehört. Da uns ein Aufenthalt in der Stadt nicht sonderlich reizt, teilen wir uns mit Kayla aus Kanada ein Taxi nach Huanchaco, einem Fischerdorf an der Pazifikküste. Die Fahrt durch sandige Straßen neben denen Müllberg brennen lässt uns hinterfragen, ob das wirklich eine gute Idee war. Die ganze Gegend wirkt absolut nicht einladend. Kayla, die bereits zum vierten Mal hierherfährt, behauptet jedoch, man könne dem Charme des Ortes verfallen und hier versacken.

Das können wir uns absolut nicht vorstellen. Auch als unser Taxi vor dem Tor zum erwählten Campingplatz hält, kreisen die Gedanken noch eher um eine schnelle Weiterfahrt. Als wir dann jedoch die Stufen zum Campingareal besteigen, ändert sich der Eindruck schlagartig. Zwischen Palmen und Obstbäumen spannen sich bequeme Hängematten und das Zelt kann auf einem saftig grünen und kuschelweichen Rasen aufgeschlagen werden, während man dank der Hanglage im Hintergrund die Wellen branden sieht. Diese Oase lädt tatsächlich zum Verweilen ein und so plumpsen wir in die Matten und kümmern uns um rein gar nichts mehr.

Entzückende Ruhe in unserer Oase

Entzückende Ruhe in unserer Oase

Zwischen den Mahlzeiten an den Straßenständen und den gemütlichen Abendrunden mit unseren Zeltnachbarn, zieht es uns immer wieder ans Wasser. Bekki stürzt sich wagemutig mit dem Surfboard in die Fluten. Ich belasse es lieber bei einem Versuch mit dem Bodyboard und gehe in der Abendsonne am Strand laufen. So ziehen die Tage dahin und wir stellen jeweils um die Mittagszeit fest, dass es wieder zu spät zum Auschecken ist. Sowas! In den Hängematten sind wir tatsächlich in diesem eindrucksarmen Dörfchen hängen geblieben. Sonnenuntergänge und Brandung machen das Drumherum auch fast nebensächlich und unsere Oase ist ein komfortabler Rückzugsort.

Vermutlich würden wir noch immer dort hängen, wenn nicht der Albtraum jedes Ruhesuchenden über uns hereingebrochen wäre.

Zwei Reisegruppen, die zu horrenden Pauschalpreisen mit ihren zu Reisemobilen umgebauten LKW durch die Lande ziehen, fallen auf dem Platz ein, nehmen rücksichtslos die karge Küchenausstattung in Beschlag (obwohl sie ihr eigenes Equipment mit sich schleppen), blockieren die Hängematten mit ihren Utensilien, verstellen mit ihren Zelten den Zugang zu unseren und sind laut und unangenehm. Ruhe und Gemütlichkeit wollen nicht so recht zurückkehren, selbst als die Invasoren zu ihren Tagesausflügen aufbrechen. Für uns der Startschuss, um nach den Tagen des Durchhängens wieder in die Gänge zu kommen.

Dieser Beitrag wurde unter Peru abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s