Quito und die Mitte der Welt

Plaza GrandeUm vom Busbahnhof in die Altstadt zu kommen sitzen wir fast eine Stunde in der Metro. Quito ist eine Hauptstadt, eindeutig. Die Metro heißt zwar Metro, eigentlich sind es aber Busse. Um in diese einsteigen zu können, muss man vorher an der Station bezahlen und durch ein Drehkreuz. Das gibt dem ganzen einen Metro-Charakter und ist zeiteffizient. Nicht dass wir es besonders eilig hätten. Aber Zeiteffizienz schätzen wir trotzdem immer.

Wir wohnen in der Altstadt. Diese ist UNESCO Weltkulturerbe und der schönste Teil der Stadt. Hier gibt es schöne Gebäude, belebte Plätze und vor allem viele Kirchen. Auf eine der Kirchen steigen wir über abenteuerliche Konstruktionen aus Holzbrettern und Gitterstufen. Von oben hat man einen Blick auf die Madonnenstatue und den Hügel auf dem sie steht. Dieser wird seiner Form wegen Brötchen genannt. Häuserdächer reihen sich aneinander bis zum Horizont, unterbrochen von vielen Sportplätzen. Für uns ist das Herumlaufen auf wieder mal fast 3.000 Metern über dem Meeresspiegel Sport genug. Zur körperlichen Stärkung testen wir die Bäckereien, von denen es in Quito zu unserer Freude einige gibt. Das Brot unterscheidet sich nicht vom gewohnten Standard: weiß, labbrig, fad. Dafür machen die Schokoschnecken der kleinen Bäckerei an der Ecke beim Theater das Rennen. Diese trösten mich auch über eine Fehlbestellung auf dem Markt hinweg. Es sollte eine Nudelsuppe werden, stattdessen schwammen Hühnerfüße und Hühnerhals im Teller. Als Michael von leisem Knacken begleitet den Füßen die Zehen abbeißt, bleibt mir nur der Rückzug in die Erinnerung an fluffige Schokoschnecken.

Quito liegt in einem Tal und hat deshalb eine langgestreckte Form. Auf der Fahrt vom südlichen Ende nach Norden beobachten wir durch die Scheibe der Metro wie sich der Vorstadtcharakter zu Industriegebiet, Altstadt, Neustadt, Büroviertel und schließlich Grünflächen wandelt. Am Sonntag sind einige der hügeligen Straßen für Autos gesperrt und Fahrradfahrer nehmen die Stadt ein. Wer nicht radelt, nimmt an einem der vielen open-air Gottesdiensten auf den Plätzen teil. Auf der abendlichen Suche nach einem geöffneten Restaurant landen wir bei KFC. Alles andere hat zu.

Etwas nördlich von Quito steht ein Denkmal, das auch wir besuchen. Dort überschreiten wir eine magische Linie. Stellt man sich breitbeinig über die Linie, steht man gleichzeitig auf der Nord- und Südhalbkugel. Von hier beginnt die Zählung der Koordinaten, hier ist der Scheitelpunkt, der Winde in seine Bahnen lenkt. Hier ist die Mitte der Welt. Wir stehen am Äquator und befinden uns jetzt wieder auf der Halbkugel, die gerade Sommer hat. (Nicht dass das in den Tropen relevant wäre.)

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2 Antworten zu Quito und die Mitte der Welt

  1. David schreibt:

    In welche Richtung dreht sich das Wasser im Abfluss direkt auf dem Äquator?

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