Wieder so ein Ort

Bolivianische BlumenverkäuferinnenWieder so ein Ort, an dem man seine Füße am liebsten in die Erde stecken und warten möchte bis sie Wurzeln schlagen. Es stimmt alles hier, es gibt alles was man braucht. Die Landschaft ist wunderschön, die Leute sind freundlich und herzlich, es gibt unendlich viel Platz, auch für uns. Der Blick verliert sich bei jedem Streifzug durch die Umgebung. Mal in der Ferne, mal im Detail. Wir könnten hier so viele Träume verwirklichen, wir könnten neue Träume entwickeln, wir könnten alles tun. Hier gibt es keine Begrenzungen, nur Möglichkeiten. Wer könnte hier je wieder weggehen?

Diese Gedanken kommen ab und zu in uns auf. Neue Orte wirken unglaublich inspirierend. Wir haben Zeit uns darauf einzulassen und stellen uns vor, wie es wäre, tatsächlich an diesem Ort zu leben. Wie ist es für die Einwohner? Wie wäre es für uns? Häufig endet das Gedankenspiel aber so: es ist total interessant hier zu sein und kurzzeitig am Leben der anderen teilzuhaben, aber genau das ist es: das Leben der anderen. Unwillkürlich stellen wir den Vergleich mit unserer Heimat an. Die Heimat mit ihren unzähligen Vorschriften, Verboten und Versicherungen, in der wir häufig das Gefühl haben limitiert zu werden. Gebremst in Einfallsreichtum und Kreativität bevor man überhaupt richtig starten kann. In den letzten Monaten haben wir häufig gesehen, was möglich ist, wenn man Menschen einfach mal machen lässt. Es kommen die verrücktesten und tollsten Ideen dabei raus – oder aber Antriebslosigkeit, Müll und Alkoholismus.

In vielen Orten haben wir Aussteiger kennengelernt, die ihren Traum dort zu bleiben in die Tat umgesetzt haben. Vielfach hatten wir das Gefühl, dass die Motivation hauptsächlich aus einer Anti-Einstellung heraus kam. Es war nicht die konkrete Vision des Lebens an diesem Ort, sondern vielmehr die Flucht vor dem Leben am vorherigen Ort. Als objektiver Beobachter sieht man schnell, dass ein bloßer Ortswechsel die Lebensqualität nicht zwangsläufig erhöht. Viele der vermeintlichen Traumverwirklicher wirken auf uns verschroben und eigen. Sie scheinen in der Zeit, in der sie ihre vertraute Umgebung verlassen haben, stehen geblieben zu sein. Jetzt passen sie in keine der Welten mehr. Weder haben sie sich in die neue Heimat integriert, noch könnten sie in die alte, die sich inzwischen weiterentwickelt hat, zurückkehren.

Es gibt aber auch Erfolgsgeschichten. Wie Nicolas, der junge Finanzberater aus London, der in der Kaffeeregion Kolumbiens sein Zuhause erkannt hat und mit einheimischen Gleichgesinnten und Freunden ein Naturreservat aufbaut. Er macht das seit dreizehn Jahren und als er uns davon erzählt, sprüht er noch immer so vor Begeisterung, Energie und Plänen, dass wir am liebsten sofort mitanpacken wollen. Was er bereits erreicht hat, ist beeindruckend. Er zeigt, dass es sich lohnt für seine Bestimmung zu kämpfen, wenn man sie erkannt hat. Es kann Großes dabei herauskommen. Aber selbst er, der zu hundert Prozent integriert ist und seinen Traum verwirklicht, für den er gerne von Sonnenauf- bis -untergang schuftet, muss dafür große Einstriche hinnehmen. Seine Mutter beispielsweise wird ihn aus Angst vor Schlangen nie besuchen kommen. Die meisten Familienfeste, Geburtstage und Hochzeiten von Freunden in der Heimat finden ohne ihn statt.

Wenn wir eins auf dieser Reise gelernt haben, dann, dass das Wohlbefinden an einem Ort vor allem mit den Menschen dort zusammenhängt. Die Naturphänomene können noch so beeindruckend und die Einsamkeit kann noch so entspannend sein, aber die tiefsten Erinnerungen haben wir an Begegnungen mit wunderbaren Menschen. Und die wunderbarsten Menschen überhaupt, das sind für uns unsere Familie und unsere Freunde. Menschen, die längst einen festen Platz in unseren Herzen haben und unsere Heimat zu einem Ort machen, an den wir immer wieder gerne zurückkehren.

GlücklichWir freuen uns auf euch!

 

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8 Antworten zu Wieder so ein Ort

  1. Anita schreibt:

    So ein tolles Bild von euch beiden!
    Die friends freuen sich auch schon sehr auf euch! 🙂

  2. Betsy schreibt:

    ❤ ❤ ❤

  3. David schreibt:

    Ja, kommt nach Hause zu Franzbrötchen und richtigem Bier! Nach ein wenig Gewohnheit und Alltag tanken, ruft die Welt dann irgendwann wieder mit neuen Orten und Geschichten um zu zeigen, dass es viele schöne Orte gibt, aber es nirgends perfekt ist…

  4. Rudi schreibt:

    Wir freuen uns auf Euch!!!!!

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