Strich durch die Rechnung

Strich durch die Rechnung

Nach einem Zwischenstopp im Valle de Elqui wollen wir weiter nach Norden, um von Calama und San Pedro aus die Atacama-Wüste zu erkunden, eine der trockensten Landschaften unserer Erde. Da ist Sonne garantiert, sollte man meinen.

Nördlich von Calama befindet sich der Chuquicamata, mit über 13 km² Fläche und über 1.000 m Tiefe weltgrößter Kupfertagebau. Diese gewaltigen Dimensionen wollen wir mit eigenen Augen sehen und begeben uns in die Minenstadt.

Auf dem Weg von La Serena nach Calama wird der nächtliche Himmel von grellen Blitzen erleuchtet. Als wir in Calama einfahren reiben wir uns den Schlaf aus den Augen und ich wundere mich über die feuchten Straßen. Wir sind doch in der Wüste! Da wissen wir noch nicht, dass der gesamte chilenische Norden seit der Nacht von einem Jahrhundertunwetter heimgesucht wird.

Die Atacamawüste liegt zwischen den Anden im Osten, die als natürliche Blockade den regenreichen Ostwind abhalten und dem kalten Humboldtstrom im Westen, der im Normalfall dafür sorgt, dass kein Steigregen entsteht. Es gibt Klimastationen in der Atacama, die seit ihrer Errichtung noch nie einen Regentropfen aufgezeichnet haben sollen. In San Pedro fallen im langjährigen Mittel 42 mm Niederschlag pro Quadratmeter. Zum Vergleich: in Hamburg sind es 770 mm. Zurzeit schieben riesige Wolken unglaubliche Regenmengen ins Landesinnere, die auf das Abschwächen des Humboldtstroms zurückgeführt werden, ein Teil des als El Niño bezeichnet Klimaphänomens.

Als wir aussteigen fängt es wieder an wie aus Kübeln zu schütten. Hier ist man auf derartige Extremwetterereignisse nicht gut vorbereitet. Das Wasser kann von den Straßen nicht abfließen und anthrazitfarbene Schlammpfützen machen das Überqueren von Kreuzungen zu einem Spektakel aus Slalom und Dreisprung. In der ganzen Stadt fällt über Stunden der Strom aus und durch die mit Feldsteinen und Holzbalken beschwerten Blechdächer plätschert es in die Häuser.

Trotzdem wandern wir tapfer bis zum Besucherzentrum der Mine und lassen uns auf dem Weg mit Pfützenwasser vollklatschen und von nach nassen Straßenkötern riechenden nassen Straßenkötern den Weg weisen. Der Ausflug endet erfolglos. Der Tagebau ist bei diesen Konditionen nicht zugänglich. Wir sollen es am nächsten Tag noch einmal versuchen.

Straßen verwandeln sich in Seen - mitten in der Wüste

Straßen verwandeln sich in Seen – mitten in der Wüste

OK, auf den Versuch lassen wir es ankommen. So eine Möglichkeit gibt es eben nicht allzu oft. Dann also eine Unterkunft in dieser Stadt suchen, der leider ins Gesicht geschrieben steht, dass sie lediglich den hunderten „Mineros“ als Basis dient. Die Pubs und ihre Kundschaft sind schon zur Mittagszeit voll, es gibt Bars, in denen nackte Frauen das Bier servieren und als wir in einem Restaurant das Tagesmenü ordern, kommt ein halbes Rind in einem Suppenteller, der eher das Volumen eines Eimers hat. Das war wohlgemerkt nur die Vorspeise!

Da man in Calama nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr unbedingt mit einem großen Rucksack durch die Straßen turnen sollte, suchen wir uns ein Kämmerchen und trösten uns mit Dosenbier und Käsedoritos über die Misere hinweg. In der Nacht kommen noch einmal Wassermassen vom Himmel, die vor unserer Zimmertür einen respektablen Teich entstehen lassen. Wir befürchten das Schlimmste als dann auch wieder der Strom ausfällt. Und wie sollte es anders sein – auch an diesem Tag haben wir mit dem Tagebau keinen Erfolg. Noch länger wollen wir uns im unansehnlichen Calama nicht aufhalten. Zum Glück sind die Verbindungsstraßen nicht mehr gesperrt und wir können unser Busticket für eine frühere Fahrt nach San Pedro eintauschen.

Hier erfahren wir, dass sämtliche Passstraßen unpassierbar sind und an ein Fortkommen in Richtung Bolivien in den nächsten Tagen nicht zu denken ist. Die chilenische Regierung hat für die Region Atacama den Notstand ausgerufen und setzt in einigen Teilen der Region das Militär ein, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Aber San Pedro ist auch mit in Matsch aufgelösten Straßen ganz niedlich und in der näheren Umgebung gibt es einiges zu erkunden.

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